Was unterscheidet Q1, Q2, Q3 und Q4?
Den Umfang der Spachtelarbeit an Fugen und Fläche. Das Merkblatt 2 „Verspachtelung von Gipsplatten, Oberflächengüten“ des Bundesverbands der Gipsindustrie (Stand November 2017) beschreibt vier Stufen, die aufeinander aufbauen: Die Grundverspachtelung Q1 füllt die Stoßfugen und deckt sichtbare Befestigungsmittel ab; sie genügt, wenn Fliesen oder dicke Beläge folgen. Die Standardverspachtelung Q2 ergänzt ein Nachspachteln bis zum stufenlosen Übergang zur Plattenoberfläche und ist die Grundlage für übliche Wandbeläge und Anstriche.
| Stufe | Umfang | Typische Oberfläche danach |
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| Q1 Grundverspachtelung | Fugen gefüllt, Befestigungsmittel abgedeckt | Fliesen, dicke Beläge |
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| Q2 Standardverspachtelung | Q1 plus Nachspachteln bis zum stufenlosen Übergang | Raufaser, strukturierte Tapeten, matte füllende Anstriche |
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| Q3 Sonderverspachtelung | Q2 plus breiteres Ausspachteln, Karton scharf abgezogen | feine Tapeten, matte Anstriche ohne Struktur |
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| Q4 Vollflächenspachtelung | Q3 plus ganzflächige Spachtelschicht über 1 mm | glatte, glänzende oder lasierte Oberflächen |
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Die Sonderverspachtelung Q3 geht über Q2 hinaus: breiteres Ausspachteln der Fugen und ein scharfes Abziehen der gesamten Kartonoberfläche, um Poren zu schließen. Die Vollflächenspachtelung Q4 überzieht die ganze Fläche mit einer Spachtelschicht von mehr als 1 mm Dicke und ist für glatte, glänzende oder lasierte Oberflächen gedacht. Q3 und Q4 gelten nach Merkblatt 2 und VOB/C DIN 18340 als besondere Leistungen, die gesondert vergütet werden.
Warum gilt Q2 ohne Vereinbarung?
Weil das Merkblatt 2 und die VOB/C DIN 18340 (Trockenbauarbeiten, Ausgabe 2023-09) Q2 als Standardverspachtelung festlegen: Steht im Vertrag oder Leistungsverzeichnis keine Stufe, schuldet der Betrieb Q2 und nicht mehr. Wer eine höhere Stufe will, muss sie bestellen und bezahlen. Wer sie nach der Ausführung reklamiert, ohne sie bestellt zu haben, hat keinen Mangel, sondern eine Nachbestellung.
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Zur Q2-Fläche gehört die Grundierung nicht: Nach Merkblatt 2 und Merkblatt 6 (Vorbehandlung von Trockenbauflächen, Stand Juni 2007) bringt das Nachfolgegewerk einen auf Untergrund und Beschichtung abgestimmten Grundbeschichtungsstoff auf, und zwar erst, wenn der Spachtel abgebunden und durchgetrocknet ist. Klären Sie vorher, ob Trockenbauer oder Maler grundiert, sonst macht es keiner.
Was bedeutet „malerfertig“ im Angebot?
Nichts Festgelegtes. Das Merkblatt 2 hält Begriffe wie „malerfertig“, „streichfertig“ oder „oberflächenfertig“ ausdrücklich für ungeeignet, weil jeder darunter etwas anderes versteht. Eindeutig ist allein die Qualitätsstufe. Bei Q3 und Q4 kommt die Ebenheit nach DIN 18202 hinzu, die vertraglich vereinbart werden muss, und bei Q4 die spätere Beleuchtung der Fläche.
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Ein brauchbares Angebot nennt deshalb: die Stufe je Fläche, bei Q3 und Q4 die Ebenheitsanforderung, bei Q4 die Lichtsituation, und wer grundiert. Fehlt eine dieser Angaben, fragen Sie nach, bevor Sie unterschreiben. Bei der Vermittlung geben wir Ihre gewünschte Stufe an den Betrieb weiter, damit das Angebot sie nennt.
Ist Q4 frei von Streiflichteffekten?
Nein. Das Merkblatt 2 sagt ausdrücklich, dass Abzeichnungen unter Streiflicht auch bei Q4 nicht völlig auszuschließen sind; sie werden weitgehend vermieden, mehr nicht. Bei Q2 und Q3 sind sichtbare Abzeichnungen unter Streiflicht nach VOB/C DIN 18340 zulässig. Streiflicht ist Licht, das flach an der Wand entlangfällt, etwa aus einem Fenster neben der Wand oder von Deckenleuchten dicht an der Fläche; es macht Unebenheiten sichtbar, die bei normalem Licht verschwinden.
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Wer Flächen unter einer bestimmten Beleuchtung beurteilen will, muss diese Lichtsituation vorher im Vertrag festhalten und dafür sorgen, dass beim Spachteln vergleichbares Licht vorhanden ist. Sonst arbeitet der Betrieb bei Baustellenlicht und wird nach Wohnzimmerlicht beurteilt; das geht in der Abnahme schief, und zwar zu Lasten dessen, der nichts vereinbart hat.
Unter welchen Bedingungen darf gespachtelt werden?
Bei ausreichender Temperatur und nicht zu hoher Luftfeuchte. Das Merkblatt 1 des Bundesverbands der Gipsindustrie (Baustellenbedingungen für Trockenbauarbeiten, Stand Oktober 2010) nennt für das Verspachteln eine Raumtemperatur von etwa +10 °C als Untergrenze und rät davon ab, Platten bei länger anhaltender relativer Luftfeuchte über 80 % zu montieren; günstig sind 40 bis 80 %. Schockartiges Aufheizen kann Spannungsrisse auslösen. Der Wert 70 %, der im Netz kursiert, steht nicht im Merkblatt.
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Anstrich, Tapete oder Putz folgen erst, wenn die Spachtelmasse abgebunden und durchgetrocknet ist. Wie lange das dauert, hängt von Masse, Schichtdicke und Raumklima ab; ein festes Datum nennt kein Merkblatt.
Was kostet Q3 oder Q4 mehr als Q2?
Eine belegte Preisspanne für das Startgebiet liegt uns nicht vor, deshalb nennen wir keine Zahl. Sicher ist: Q3 und Q4 sind besondere Leistungen mit eigenem Preis, weil sie weitere Arbeitsgänge, mehr Material und Trocknungszeit zwischen den Gängen bedeuten. Der Aufpreis steht im Angebot je Quadratmeter neben der Stufe. Vergleichen Sie Angebote nur, wenn alle dieselbe Stufe und dieselbe Abrechnungsgrundlage nennen.
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Sparen lässt sich an der richtigen Stelle: Q1 unter Fliesen, Q2 hinter Schränken und auf Raufaser, Q3 oder Q4 nur dort, wo Licht und Oberfläche es verlangen.